Die maximale Länge von Alt-Texten
Das Gerücht von der maximalen Länge
Es hält sich ein Gerücht hartnäckiger als ein Kaugummi unter dem Schuh: Die Behauptung, Alternativtexte (Alt-Texte) für Bilder dürften maximal 100, 150 oder 250 Zeichen lang sein. Vielleicht haben Sie das auch schon gehört oder in einem SEO- oder Accessibility-Tool als Fehlermeldung gesehen.
Die Wahrheit ist: Diese Limits sind ein Mythos. Es gibt keine technische Regel und keinen Standard der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), der solch eine Grenze vorschreibt. Dabei ist dieses Gerücht nicht harmlos – es hat reale Auswirkungen darauf, wie barrierefrei das Internet tatsächlich ist:
- Content-Management-Systeme: Teilweise werden Eingabefelder mit einer harten Zeichenbegrenzung programmiert, zum Beispiel bei Canva. Wer ein komplexes Diagramm präzise beschreiben will, scheitert dann an der Technik.
- Fehlerhafte Test-Tools: Ein paar SEO-Tools und Accessibility-Scanner markieren lange Alt-Texte fälschlicherweise als Fehler. Das verunsichert redaktionelle Mitarbeitende und führt dazu, dass wichtige Informationen gekürzt oder gelöscht werden.
- KI als Multiplikator: Da Large Language Models (LLMs) mit Texten aus dem Internet trainiert werden, die dieses Gerücht wiederholen, geben sie es oft als Fakt weiter. So verfestigt sich das Halbwissen immer weiter.
Wie lang sollte der Alt-Text jetzt sein?
Die Antwort lautet: So kurz wie möglich, so ausführlich wie nötig.
Es gibt keine magische Zahl, aber eine gute Faustregel ist die Effizienz. Ein Alt-Text sollte die wesentliche Botschaft vermitteln, ohne den Nutzer mit unnötigen Füllwörtern zu langweilen. Starten Sie niemals mit »Bild von...« oder »Grafik zeigt...«, da Screenreader das Bild ohnehin als solches ankündigen. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf den Informationsgehalt: Während für einen Button ein oder zwei Wörter reichen, kann die Beschreibung eines emotionalen Fotos oder einer Grafik durchaus zwei bis drei prägnante Sätze erfordern. Bei Diagrammen ist beispielsweise das »Big Picture« entscheidend: Was ist die zentrale Botschaft der Daten? Oft ist die Tendenz einer Kurve oder ein markanter Ausreißer wichtiger als jede einzelne Ziffer hinter dem Komma. Infografiken hingegen lassen sich am besten durch eine strukturierte Zusammenfassung erschließen, die den roten Faden der Information wiedergibt, anstatt grafische Fragmente isoliert zu betrachten.
Ein guter Alt-Text muss also nicht zwanghaft kurz sein. Screenreader-Nutzer sind es gewohnt, Informationen über Sprache aufzunehmen. Sie brauchen vollständige Informationen, die das gleiche Verständnis ermöglichen.
Das Ziel ist nicht, das Bild »nachzumalen«, sondern dem Zuhörer das gleiche Verständnis zu ermöglichen, das ein sehender Betrachter in wenigen Sekunden gewinnen würde.
Gibt es trotzdem zu lange Alt-Texte?
Ja. Dieser Blogartikel ist kein Freifahrtschein für Romane: Ein Alt-Text kann durchaus zu lang sein, wenn er das Nutzungserlebnis beeinträchtigt. Nutzende von Screenreadern konsumieren Informationen linear – sie müssen sich den Text Wort für Wort anhören. Wenn eine Beschreibung jedes unwichtige Detail aufzählt (wie die Farbe der Knöpfe an der Jacke einer Person, die für den Inhalt keine Rolle spielt), wird das Zuhören mühsam.
Hilft künstliche Intelligenz (KI) bei Alt-Texten?
Ja! Mit KI-Werkzeugen wie dem KI-Generator von alternativen Texten kann man in sekundenschnelle ein Bild beschreiben lassen. Das funktioniert präzise, zuverlässig und kostengünstig. KI-Werkzeuge unterliegen aber auch dem Gerücht einer maximalen Zeichenlänge: Oft lässt sich diese nicht justieren, sodass auch komplexe Grafiken in einem knappen Satz beschrieben werden – wobei Informationen verloren gehen. In dem Tool von barrierefreies.design gibt es für komplexe Bilder, Grafiken und Diagramme eine Option, diese auch ausführlich beschreiben zu lassen.